KKZ 2 – Kapitel 43 – 49

Kapitel 43 – Alayna, Anon, Aoko
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Kapitel 49 –


Kapitel 43 – Alayna, Anon, Aoko

Einige Tage nach den Ereignissen in Yofu-Shiti fanden sich die Geschwister mit ihren Freunden und ihrem neuen Begleiter Anon in einer anderen Stadt wieder. Die Zerstörungswut und die Plünderungen beeinträchtigten auch den Bahnhof Yofu-Shitis, welcher seinen Verkehr für einige Tage einstellen musste. Das bremste die Versorgung der Stadt mit wichtigen Hilfsmitteln und den dringend benötigten Medikamenten und Verbandsmaterialien, welche in den Krankenhäusern gebraucht wurden. Trotz der großen Lager der Stadt befand sie sich nun im Notstand. Die Schutztruppe schickte noch einige ihrer Leute in die Stadt, da immer wieder kleinere Kämpfe geführt wurden. Dennoch waren die meisten der fremden Kämpfer verschwunden. Wie lange es brauchen würde, bis sich die Stadt erholt hatte, wusste keiner.
Anon konnte nur berichten, dass Senatorin Sayoko viel Hilfe zugesprochen hatte und mithilfe eines Freundes mehrere Firmen gebeten hatte, die Reparaturen und den Wiederaufbau in der Stadt durchzuführen. Außerdem erfuhren sie, dass Oto alle Hände voll damit zu tun hatte, die Krankenhäuser in ihrer Arbeit zu unterstützen, was auch immer das bedeutete. Wenn Ama nicht gerade auf die Kinder aufpassen musste, packte er in der Stadt mit dem Wiederaufbau ebenfalls an. Als sie sich von Suna verabschiedeten, berichtete er zunächst sehr glücklich darüber, dass er seit zwei Tagen keinen Anfall mehr gehabt und unkontrolliert Gold produziert hatte. Das wäre ihm noch nie passiert. Als er dann jedoch realisierte, dass die Freunde sich aufmachten und ihn darum baten, Oto nichts davon zu erzählen, machte er einen sehr geknickten Eindruck. Irgendwie hatte Alayna das Gefühl, als würde Suna beim Verabschieden nur sie anschauen. Es fühlte sich an, als wäre ein schweres Gewicht von ihren Schultern genommen worden, zu wissen, dass die im Labor gefangenen Leute nun in Sicherheit waren und die medizinische Behandlung erhielten, die sie verdient hatten. Das Wissen über die vielen Menschen, welche die Experimente im Labor und den Kampf in der Stadt nicht überlebt hatten, lag wie ein bitterer Geschmack auf der Zunge, welcher nie ganz verschwinden sollte.

Der Weg führte sie nach einigen Tagen der Wanderung nach Kodôtsuro. Kodôtsuro war eine kleine Stadt am Fuße eines Berges, welche sich durch den dort entstandenen Bergbau zu einer ansehnlichen Stadt entwickelt hatte. Die eine Hälfte der Stadt war geprägt von den Fabriken und Firmen, die dort den Bergbau vorantrieben, während die andere Hälfte der Stadt von den Ansässigen bewohnt war. Die Stadt verfügte über einen Bahnhof, der das Ziel Anons war. Nach einem langen Tag einer ereignislosen Wanderung, ließen sich die Freunde jedoch in einem Gasthaus nieder. Die Stimmung in der Gruppe war sehr ruhig, was entweder daran lag, dass sich jeder vom Kampf erholen musste oder jeder mit irgendwelchen Schuldgefühlen zu kämpfen hatte. Alayna musste schon seit ihrer Abreise darüber nachdenken.
„Durch den Vorfall in Yofu-Shiti haben sich die Fahrzeiten etwas verschoben“, erklärte Anon, welcher gerade dabei war, den Fahrplan zu studieren.
„Wann fährt der nächste Zug?“, erkundigte sich Kioku, die über Anons Schulter etwas in den Plan schauen wollte.
„Morgen, am frühen Abend. Dieser Zug führt uns dann um das Gebirge herum und bringt uns in ein kleines Dorf. Dieses Dorf liegt in einer gut begehbaren Passage, welche zur Wüste führt. Von dort ist es dann leicht, unser Ziel zu erreichen.“
„Das heißt, wir hätten vorher noch etwas Zeit, zu trainieren?“, erkundigte sich Takeru. „Wir könnten noch etwas üben?“
„Find ich gar keine so schlechte Idee“, stimmte Eimi zu. „Etwas Meditation und Ausdauertraining wird drin sein. Wir sind abends dann doch mit dem Zug unterwegs, also wird das ja kein Problem sein.“
„Dann ist das abgemacht“, grinste Takeru selbstbewusst.
Anon, der sich gegen diesen Vorschlag nicht wehren konnte, warf Kioku einen fragenden Blick zu und auf Alayna wirkte es so, als würde Kioku mit ihrem Blick eine Antwort entgegenbringen, welche Anon zufriedenstellte. Sie hakte nicht nach, in Erwartung, am morgigen Tag sowieso zu erfahren, was das bedeuten sollte. Als sie sich auf dem Bett in dem Zimmer niederließ, das sie sich mit Kioku teilte, nachdem sich alle zur Nacht verabschiedet hatten, schaute sie ihrer Freundin dabei zu, wie sie sich entkleidete und im Badezimmer für eine Dusche verschwand. Sie hatte beobachtet, dass ihr Bruder in den letzten Tagen mehrmals versucht hatte, sich bei Kioku zu entschuldigen, die jedoch immer irgendwie auswich. Sie wollte nicht auf das Geschehene eingehen, was Alayna selbst sehr merkwürdig fand. Es schien fast so, als wollte Kioku etwas vor Takeru verheimlichen. Was war wirklich passiert, als die beiden zusammen in der Stadt gekämpft hatten? Ging es um ihren Bruder?
Wann hatte sie das letzte Mal mit ihrem Bruder wirklich gesprochen? Ihr schienen die Dialoge der letzten Tage nicht bedeutsam genug, um sie als wichtig zu zählen.
Eimi und Kioku hatten ihren Bruder beide schon dabei erlebt, wie er die Kontrolle verloren hatte. Sie hatten gesehen und gespürt, was geschah, waren vor Ort und konnten ihm helfen. Wo war sie zu der Zeit immer gewesen?
Sie wusste, dass sie schon einmal dieses Gefühl gehabt hatte, jedoch kam es ihr zurzeit extrem vor, wie weit ihr Bruder entfernt zu sein schien, obwohl er doch die ganze Zeit in ihrer Nähe war. Noch nie in ihrem Leben war ihr ihre Familie so fremd vorgekommen, wie in den letzten Tagen. Sie musste sich eingestehen, dass sie auch nichts über ihren Vater und ihre Mutter wusste, trotz der Informationen, die sie ständig von deren Freunden bekamen. Alayna stellte fest, dass Ryoma gerade derjenige war, den sie am meisten vertrauen konnte. Anfangs hatte sie ihn nicht leiden können, aber das hatte sich durch die Ereignisse in Yofu-Shiti stark geändert. Bei ihm hatte sie immer das Gefühl, dass er nichts vor ihr verheimlichte und ihr seine ehrlichen Gefühle zeigte. Sie wusste, dass er für etwas Gutes kämpfte und wollte, dass es ihr und Takeru gut ging.
Alayna stand auf und betrachtete die Dunkelheit, die sich schnell über die Berge und auf die Stadt ausbreitete. Es war eine klare Nacht und sie konnte die ersten Sterne entdecken, die stark genug waren, in der Dämmerung sichtbar zu sein. Die beleuchteten Straßen schlängelten sich den Berg hinauf wie Schlangen, die immer kleiner wurden. Obwohl es Nacht wurde, schien es in dieser Stadt nicht ruhig zu werden. Alayna wusste nicht, warum sie dieses Gefühl beschlich; es war einfach da.
Sie setzte sich auf eines der Betten und lauschte dem Geräusch des Wassers, das aus dem Badezimmer zu hören war. Die Matratze war weich und sie musste darüber nachdenken, wie sehr sie das gerade wertschätzte. Also ließ sie sich fallen, nahm sich das Kopfkissen und umschlang es mit ihrem ganzen Körper. Der Geruch der frisch gewaschenen Bettwäsche erinnerte sie an Zuhause und an einen Tag, als sie noch klein gewesen und kichernd durch die frische Wäsche gerannt war, die ihre Mutter gerade erst aufgehängt hatte. Zunächst war ihre Mutter sauer gewesen, aber als sie Alayna verfolgt hatte, war der Ärger einer kindlichen Freude gewichen und sie konnte sich nur noch daran erinnern, wie sie mit ihrer Mutter lachend auf dem Boden im Hof gelegen hatte. Genau das war der Duft, den sie gerade wahrnahm.
Alayna verblieb so eine Weile, bis zu dem Moment, wo sie ein lautes Geräusch aus dem Badezimmer hörte, das sie stark besorgte. Sie stand auf, um nach Kioku zu sehen, rief nach ihrem Namen, erhielt jedoch keine Antwort. Vorsichtig öffnete sie die Tür einen Spalt breit, um die Privatsphäre Kiokus nicht zu stören und fragte nach, wie es ihr ging. Wieder kam keine Antwort und panisch öffnete sie die Tür ganz. Kioku lag auf dem Boden, in ein Handtuch eingewickelt. Es schien, als wäre sie aus der Dusche ausgestiegen, hätte sich das Handtuch umgeschlungen und wäre dann gefallen.
„Kioku, was ist los?!“, fragte Alayna panisch und rüttelte an ihrer Schulter. Kioku schien ohnmächtig zu sein, also überprüfte Alayna, ob sie atmete und ob ihr Herz schlug. Glücklicherweise war das der Fall, also rüttelte sie wieder an ihr. „Hey, was ist los, wach auf!“, forderte Alayna und wusste nicht mehr, wie sie weiter reagieren sollte. Hatte sie sich doch noch nicht gut genug erholt? Waren sie zu früh abgereist? Während sich Alayna all diese Vorwürfe machte, rannte sie aus dem Zimmer und gerade, als sie an die Tür des Jungenzimmers hämmern wollte, öffnete Anon die Tür, als hätte er gewusst, dass sie davorstand.
„Hey, hey, was ist los? Leise, die beiden schlafen schon”, erklärte Anon und hielt seinen Finger mahnend an seinen Mund. Als Alayna erklärte, was mit Kioku los war, schloss Anon die Tür hinter sich und beide eilten schnell zurück zu Kioku. Währenddessen fiel ihr auf, dass Anon nur eine Hose anhatte, jedoch der Verband um seine Hand sich über seinen ganzen Arm, die Hälfte seiner Brust und dem ganzen Bauch ausstreckte. Es schien, als würde der Verband unter seiner Hose weitergehen. Sie wusste zwar, dass Anon dieses Band zum Kämpfen benutzte, war aber erstaunt, dass es um seinen ganzen Körper gewickelt war. Dieser Gedanke verschwand genauso schnell, wie er kam.
Anon kniete sich zu Boden und versuchte das gleiche mit Kioku, wie es gerade schon Alayna versucht hatte. Als dies nichts brachte, stand er auf und nahm den Duschkopf in die Hand, stellte das Wasser kalt und spritzte Kioku ab. Durch den plötzlichen Schock des kalten Wassers schreckte sie hoch.
„Kioku, ist alles gut bei dir?“ Alayna kniete sich zu ihr auf den Boden, um zu überprüfen, ob es ihrer Freundin gut ging.
Als Kioku den Raum und die Situation überprüfte, Alayna ansah und dann an sich herunterblickte und feststellte, dass sie nur ein Handtuch umgewickelt hatte, schreckte sie panisch auf und krabbelte von Alayna weg.
„Raus!“, schrie sie panisch und erkannte auf den zweiten Blick, einen lächelnden Anon, der gerade den Duschkopf zurück in die Kabine hängte. „Raus, was macht ihr hier drinnen!?“
Bevor sie sich sichergehen konnten, dass es Kioku gut ging, verschwanden Alayna und Anon ganz schnell aus dem Badezimmer und schlossen hinter sich die Tür.
„Na, etwas kaltem Wasser hat noch keinem geschadet“, lachte Anon. „Aber das hätte ich nicht erwartet.“
„Danke, dass du geholfen hast“, bedankte sich Alayna. „Irgendwie bin ich nicht auf die Idee gekommen, ihr etwas Wasser ins Gesicht zu spritzen.“
„Manchmal sind die Dinge so naheliegend, dass man einfach nicht daran denkt.“
Anon wandte sich wieder zum Gehen.
„Anon, hätten wir uns mehr Zeit in Yofu-Shiti lassen sollen? Sodass es Kioku und Tak nun besser gehen würde?“, fragte Alayna und Anon hielt noch einen Moment inne. „Ich weiß, es ist wichtig, dass wir Papa finden und das alles hier bald ein Ende nimmt. Aber würde es nicht auch reichen, uns mehr Zeit zu lassen?“
„Ich glaube, es ist alles in Ordnung, so wie es ist“, beruhigte Anon sie. „Mach dir nicht so viele Gedanken.“
Das war einfacher gesagt als getan, dachte sich Alayna. Wenn es nur so einfach wäre, diese Gedankenmaschine in ihrem Kopf abzustellen.
Die Tür zum Badezimmer öffnete sich und Kioku kam heraus; sie hatte sich mittlerweile eine kurze Hose und ein Shirt angezogen. Sie blieb verdutzt stehen, als sie das Handtuch, mit dem sie sich ihre dunklen Haare abtrocknete, sinken ließ und Alayna und Anon vor sich stehen sah.
„Anon …“, sprach sie leise vor sich und wandte ihren Blick von Anon auf Alayna. „Was macht dieses Mädchen hier?“
Alayna glaubte, Kioku falsch gehört zu haben.
„Anon, wo sind wir hier? Waren wir nicht gerade noch in einem Park spazieren? Wo bin ich?“, erkundigte sich Kioku, mit der ganz offensichtlich etwas nicht stimmte.
„Oh, oh“, murmelte Anon vor sich hin und sah Kioku besorgt an.
„Kioku, alles in Ordnung mit dir?“, erkundigte sich Alayna und ging einen Schritt auf sie zu. Jedoch wich diese ängstlich zurück.
„Was auch immer du hier tust, Mädchen, ich glaube, das ist mein Zimmer. Richtig, Anon?“, entgegnete sie und warf ihr Handtuch auf das Bett. Sich wundernd, sah sich Kioku um und betrachtete genau das Zimmer. „Anon, warum sind wir hier in einem Hotelzimmer?“
„Anon, was ist mit ihr? Kommt das vom Sturz?“, fragte Alayna besorgt.
„Tja …“, meinte Anon und versuchte, herauszufinden, ob das, was er befürchtete, sich bewahrheitete. „Aoko, bist du es?“
„Ja, klar“, entgegnete Kioku, die einen skeptischen Blick zurückwarf. „Das weißt du doch?“
„Ich wusste es“, seufzte Anon und rieb sich seine Schläfen. „Alayna, du darfst jetzt nicht in Panik verfallen.“
„Was!? Wie kannst du mir so etwas sagen und erwarten, dass ich NICHT in Panik verfalle? Was ist mit Kioku los!?“
„Wer ist denn diese Kioku, von der du sprichst!?“, wunderte sich Kioku und setzte sich auf das Bett. „Kannst du mich mal aufklären, was hier los ist?“
„Aoko, das hier ist Alayna. Eine gute Freundin von … mir. Außerdem befinden wir uns gerade in Kodôtsuro; wir sind gemeinsam auf dem Weg hierher gewesen und übernachten in diesem Hotel.“
„Hallo Alayna“, begrüßte Kioku sie, als würde sie Alayna gerade zum ersten Mal kennenlernen.
„Anon, mach mir keine Angst! Was ist mit Kioku passiert?“
„Alayna, das ist Aoko. Kann ich kurz draußen mit dir sprechen?“, schlug Anon vor und nickte mit seinem Kopf in Richtung Tür. Es schien Kioku nicht zu stören, also gingen beide in den Gang des Hotels.
„Aoko ist, wie soll ich das nur sagen?“, überlegte Anon und spannte Alayna unnötig auf die Folter. „Ich nehme an, dass Aoko Kiokus richtiges Ich ist.“
„Wie meinst du das mit ‚richtiges Ich‘?“, wunderte sich Alayna.
„Kioku hat doch Amnesie, richtig? Ich denke, dass Aoko ihr ursprüngliches Ich ist, bevor sie alles vergessen hatte.“
„Das ist die wahre Kioku?“, murmelte Alayna mehr in sich hinein, um zu verstehen, was gerade geschah.
„Wir müssen sehr vorsichtig sein“, erklärte Anon. „Ich weiß nicht, wie sie auf all die Dinge reagieren wird. Ich habe sie schon einmal kennengelernt, deswegen kennt Aoko mich. Es ist in Yofu-Shiti passiert, bevor der Kampf losging.“
„War das also der Moment, als sie aus Otos Praxis abgehaut ist? Das muss es sein. Sie konnte sich wieder erinnern. Irgendetwas hat die Erinnerung ausgelöst.“
„Es ist nicht nur eine Erinnerung. Es ist, als würde es Kioku gar nicht geben. Sie war voll und ganz Aoko und konnte sich an gar nichts, was Kioku erlebt hatte, erinnern.“
„Das müssen wir sofort Tak und Eimi erzählen!“, forderte Alayna und wollte in Richtung des Jungenzimmers gehen. Doch Anon hielt sie auf.
„Lass uns nichts überstürzen, ja?“, meinte Anon und stellte sich ihr in den Weg. „Wenn wir sie überfordern, könnten schlimme Dinge passieren. Momentan hat sie akzeptiert, dass wir gemeinsam in diesem Hotel sind. Sie ist sicher. Lass ihr die Sicherheit.“
„Aber wenn sie Aoko bleibt, ist das doch genau das, was Kioku wollte. Sich erinnern“, erklärte sie sich und wusste nicht mehr, ob sie sich freuen sollte oder nicht.
„Wenn sie Aoko bleibt, ist Kioku für immer verloren“, sagte Anon kühl und wandte seinen Blick von Alayna ab. Es schien fast so, als wäre Anon traurig darüber, dass Kioku fortgehen würde. „Das nehme ich zumindest an.  Außerdem muss Aoko euch erst kennenlernen. Was, wenn sie entscheidet, zu gehen? Du kennst Aoko nicht. Sie kennt euch nicht.“
„Darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht“, sagte Alayna leise, lehnte sich an die Wand und ließ sich daran hinabgleiten. Nun rieb sie sich auch die Schläfen. „Was sollen wir nun tun, Anon?“, flehte sie zu wissen. Alayna fühlte sich nun richtig schlecht.
„Ich schätze, wir müssen erst einmal abwarten“, schlug Anon vor. „Und wir dürfen sie auf keinen Fall alleine lassen. Wenn der Trigger wieder einsetzt und sie zu Kioku wird, müssen wir dabei sein, um für sie da zu sein.“
Alayna lehnte sich an die Holztäfelung der Wand. Ihre Finger kratzten unbewusst an der Fußleiste herum, als würden diese nach etwas zu tun suchen, um sich abzulenken. Ihr war alles einfach zu viel. Am liebsten hätte sie sich einfach hingelegt, geschlafen und gehofft, dass sie bei sich Zuhause in ihrem eigenen Bett aufwachte und wieder alles normal wäre. Doch darauf konnte sie lange warten.
„Tatsächlich“, fing Anon an vorzuschlagen und kratzte sich dabei mit der Hand ohne Verband an seinem Kinn, „fände ich es ganz sinnvoll, wenn du die Nacht dafür nutzt, dich mit ihr anzufreunden. Wir wissen nicht, ob sie bis morgen wieder zu Kioku wird. Bis dahin solltest du dich mit ihr angefreundet haben, dann ist es leichter, dass sie auch Takeru und Eimi kennenlernt. Um dir etwas Zeit zu verschaffen, werde ich mit den Jungs morgen Vormittag etwas trainieren. Bis dahin kann sie ja auch wieder Kioku sein, richtig?“
Alayna nickte, weil das, was Anon sagte, schon irgendwie Sinn ergab und machte sich zunächst keine weiteren Gedanken darüber, dass Anon verhindern wollte, dass Aoko ihren Bruder und Eimi kennenlernte. Anon reichte ihre eine Hand und half ihr, wieder aufzustehen. Dabei sah er sie mit einem ‚Du schaffst das schon‘-Blick an. Also wandte sie sich wieder zu ihrem Zimmer und sah noch Anon hinterher. Er schien nichts mehr sagen zu wollen und verschwand ohne ein weiteres Wort in seinem Zimmer. Als die Tür leise ins Schloss fiel, sagte Alayna noch ein geflüstertes „Gute Nacht“ in den dunklen, stillen Gang des Hotels. Nun ging auch sie in ihr Zimmer und stellte beruhigenderweise fest, dass Kioku schon schlief.
Alayna setzte sich auf das Bett, diesmal mit dem Rücken zum Fenster und starrte Kioku an, die in ihrem Bett lag und ganz friedlich wirkte. Als wer würde sie morgen aufwachen? Wie sollte Alayna das überhaupt anstellen, sich einfach so mit Aoko anzufreunden, wenn sie sie doch gar nicht kannte? Sie selbst wusste, dass, falls sie morgens neben jemand völlig Fremden aufwachte, sie auf keinen Fall Lust hatte, diese Person kennenzulernen. Also musste sie es richtig anstellen.
Als sie so darüber nachdachte, schlief auch Alayna langsam ein.

Am nächsten Morgen wurde sie durch ein Geräusch geweckt, das sich als Kioku herausstellte, die all ihr Hab und Gut schnell zusammenpackte. Alayna brauchte zunächst einen Moment, um einen klaren Kopf zu bekommen. Die Schwere der Nacht trübte ihre Wahrnehmung und so brauchte es einige Momente, bis sie realisierte, was letzte Nacht eigentlich geschehen war.
„Wie spät ist es?“, hakte Alayna nach, bekam jedoch keine Antwort.
Erst jetzt verstand sie, dass Kioku nicht sie selbst war. Was machte Kioku da eigentlich?
„Kioku?“, fragte Alayna vorsichtig, bekam jedoch wieder keine Reaktion. „Aoko?“
Jetzt erst richtete sich Kiokus Kopf nach oben und sah Alayna an.
„Was machst du da?“, wollte Alayna wissen und zog sich währenddessen ihre Kleidung an.
„Ich muss los“, sagte Kioku knapp und stopfte ihre Klamotten tiefer in die Tasche.
„Wie, wohin musst du los? Das Frühstück wartet auf uns“, entgegnete Alayna und bekam langsam Panik, unwissend, was als nächstes geschehen würde.
„Ich muss meine Mutter finden“, sagte Kioku und sah Alayna ernst an. „Aber das geht dich nichts an. Wo ist Anon? Er meinte, er würde mich zum Rand der Stadt bringen. Er weiß, wo sie ist.“
Kioku nahm ihre Tasche und warf sie sich über. Sie schien bereit zu sein zu gehen.
„Anon kann gerade noch nicht“, sagte Alayna ganz schnell, weil ihr nichts Besseres einfiel, um Kioku aufzuhalten. „Er … er meinte, er würde gegen Mittag wieder zu uns stoßen. Vielleicht magst du mit mir bis dahin warten und etwas frühstücken?“
Kioku verharrte für einen Moment und sah etwas an Alayna vorbei aus dem Fenster. Die Morgensonne strahlte kräftig in das Zimmer. Der einfallende Lichtstrahl machte die Staubkörnchen sichtbar, die in der Luft schwebten.
„Wir könnten uns näher kennenlernen“, schlug Alayna vor und konnte die Verzweiflung in ihrer Stimme nicht ganz verbergen.
Auch nun reagierte Kioku kaum. Es schien fast so, als wäre sie gar nicht wirklich anwesend. Sie hob kurz ihre Hand und rieb sich ihre Narbe, als würde sie schmerzen. So wie Kioku dastand und sich bewegte, erkannte Alayna, dass das nicht die Person war, die sie kennengelernt hatte. Es schien, als wäre dieser Körper mit etwas ganz Neuen und Fremden gefüllt.
Kioku drehte sich zur Tür.
„Ich weiß auch nicht, wo meine Mutter gerade ist“, erzählte Alayna verzweifelt und ehrlich. „Seitdem wir auf der Suche nach unserem Vater sind, habe ich meine Mutter nicht mehr gesehen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich gar nicht mehr weiß, wie ihre Stimme klingt oder ihr Haar riecht.“
Kioku hielt inne und setzte sich zurück aufs Bett. Sie wirkte so anständig zu warten, bis Alayna fertig gesprochen hatte, bevor sie ging. Das war Alaynas Chance, vielleicht doch noch etwas Zeit zu schinden, bis sie eine Idee hatte, wie sie Kioku zum Bahnhof bringen konnte, so wie es Anon in seinem gestrigen Plan verlangte.
„Ich habe in den letzten Wochen realisiert, dass ich vielleicht gar nicht wirklich weiß, wer meine Mutter eigentlich ist. Nein, eigentlich ist es viel schlimmer. Ich glaube, ich habe mich nie dafür interessiert, wer meine Mutter eigentlich ist. Ich war mein normales, kleines Leben so gewohnt, dass ich es gar nicht für nötig empfunden habe, mich mit den Menschen um mich herum zu befassen.“
Auch Alayna setzte sich auf das Bett. Schon wieder schnürten ihr all die Gefühle, die in ihr brodelten, die Kehle zu und nahmen ihr die Luft. Schon wieder war sie kurz davor, in Tränen auszubrechen. Wie oft hatte sie in der letzten Zeit vor Verzweiflung geweint? Es war wie ein endloser Kreis, der sich immer wieder wiederholte. Wie kam sie da nur heraus?
„Aber ich weiß jetzt, was ich an meiner Familie habe. Einen Vater, der es immer unterstützt hat, was ich für Interessen pflege. Egal, was passiert ist, er war immer für mich da und hat sich um mich gekümmert. Wenn ich geweint habe, hat er mich getröstet und wenn ich gelacht habe, hat er mit mir gelacht. Ich habe eine Mutter, die mir immer wieder gesagt hat, was wichtig ist und mich an Sachen erinnert hat, die ich vergessen hatte. Jetzt ist es wohl Zeit, dass ich für sie da bin und Vertrauen habe. Aber weißt du was, Aoko?“
Kioku drehte sich nicht zu ihr um und gab kein Zeichen einer Reaktion von sich. Alaynas Tränen kullerten über ihr Gesicht und sie musste erst einmal schlucken, um den Knoten in ihrem Hals zu lockern. Sie war heillos überfordert mit der Aufgabe, die ihr Anon aufgetragen hatte. Wie sollte sie es schaffen, Aoko als Freundin zu gewinnen und zu überzeugen, mit ihr zum Bahnhof zu gehen? Sie war gerade doch kurz davor, das Gebäude zu verlassen und wieder wegzulaufen.
„Ich habe auf meiner Reise eine Freundin gefunden, die in der gleichen Situation ist, wie ich. Sie hatte nichts. Sie verlangte nichts. Sie war einfach für mich da. Ich habe noch nie in meinem Leben einen Menschen getroffen, der so unvoreingenommen und ohne Vorurteile jemanden begegnet ist, wie sie damals mir begegnet ist. Sie hat mich unterstützt, mich beschützt und mich aufgemuntert. Ich weiß jetzt, was wichtig ist: Die Menschen zu beschützen, die einem wichtig sind. Das ist genau das, was ich jetzt tun werde!“
Kioku bewegte sich, drehte ihren Kopf leicht zu Alayna, ohne jedoch ihr volles Gesicht zu zeigen.
„Bist du fertig?“
Diese kalte, emotionslose Frage schockierte Alayna und brachte sie für einen Moment aus dem Konzept. Leider war der Moment lange genug, dass Kioku ihre eigene Antwort in die Stille interpretieren konnte, aufstand und ging.
Als Alayna ihre Tränen wegwischte und realisierte, was passiert war, war das Schloss schon in die Tür gefallen. Sofort stopfte sie panisch ihre Sachen in ihre Tasche und ging Kioku hinterher.
„Kioku, warte!“, verwechselte sie ihre Freundin, doch Kioku war schon längst nicht mehr im Gang des Hotels. „Scheiße, scheiße, scheiße!“

Es konnte einfach nicht schon wieder geschehen, dass Kioku einfach verschwand. Um keinen Preis wollte Alayna zulassen, dass sich die Geschehnisse in Yofu-Shiti wiederholten. Panisch klopfte sie am Zimmer der Jungs, stellte dann aber fest, dass Anon mit beiden schon längst am Trainieren war. Wohin die Jungs jedoch gegangen waren, wusste Alayna nicht, also blieb ihr wieder einmal nichts anderes übrig, als selbst auf die Suche zu gehen. Diesmal waren jedoch Ama und seine Familie nicht dabei, um zu helfen.
Alayna rannte aus dem Hotel hinaus ins Freie und sah, dass Kioku sehr zügig die Straße hinunterlief, in die Richtung, aus der sie gestern gekommen waren. Alayna war dankbar darüber, dass sie ihr vorhin erzählt hatte, dass ihr Ziel der Stadtrand war.
„Kioku, warte!“, schrie sie ihrer Freundin hinterher und vergaß dabei, sie Aoko zu nennen. Wieder reagierte Kioku nicht und Alayna musste ihre Beine in die Hand nehmen.
Es war mittlerweile recht warm und Alayna fing sofort an zu schwitzen. Sie fühlte sich noch etwas träge und müde, investierte jedoch ihre ganze Kraft, um so schnell zu rennen, wie sie nur konnte. Immer wieder rief sie nach Kiokus Namen und als diese mitbekam, dass Alayna ihr folgte, rannte auch Kioku los.
So langsam wich Alaynas Verzweiflung einer Wut, die mit jedem Schritt, den sie tat, immer stärker wurde. Sie war wütend darauf, dass sie nicht wusste, was sie tun sollte. Sie war wütend auf Anon, der sie mit dieser Herkulesaufgabe allein gelassen hatte. Was dachte er sich nur dabei?
Nun begann eine anstrengende Verfolgungsjagd, da Kioku jede mögliche Abzweigung nahm, die sie fand. Zunächst bog sie in größeren Straßen ein, dann jedoch wandte sie sich engeren und unzugänglicheren Gassen zu, die teilweise mit Mülleimern vollgestellt waren. Einmal schaffte es Kioku, eine Tonne so umzuschmeißen, dass sie eine Kettenreaktion auslöste und den Weg durch noch mehr Gerümpel versperrte, über das Alayna klettern musste, um Kioku nicht zu verlieren. Als Kioku jedoch einmal nicht wusste, ob sie lieber nach links oder rechts fliehen wollte, konnte Alayna wieder etwas Nähe zu ihr gewinnen.
„Lass mich in Ruhe! Ich kenne dich gar nicht!“, schrie Kioku verzweifelt.
„Ich lass dich nicht alleine! Du bist meine beste Freundin, Kioku!“, entgegnete Alayna wild und beobachtete, wie Kioku wieder ihre Narbe rieb, als würde sie schmerzen.
„Ich will nur meine Mutter finden!“, brüllte Kioku und nahm wieder irgendwelche Abzweigungen in einer Gasse.
„Und ich werde dir dabei helfen!“, brüllte Alayna zurück und war schon völlig außer Atem. Die Geschwindigkeit der beiden hatte sich schon längst reduziert. „Wir werden beide unsere Familie finden und deine Erinnerungen wiedererlangen!“
„Lass mich allein!“
„Niemals lasse ich das nochmal zu!“
Dann machte Kioku einen wesentlichen Fehler, als sie, ohne zu schauen, in eine Gasse einbog, die eine Sackgasse war. Alayna schaltete schnell, warf ihre Tasche beiseite und stürzte sich im Flug auf Kioku und riss sie zu Boden. Die Wut und Verzweiflung schenkten ihr die Kraft, ihre Freundin zu Boden zu reißen. Sie versuchte sich auf Kioku zu setzen, um sie festzuhalten, musste dafür jedoch einige Schläge Kiokus einstecken, die sich zu wehren versuchte. Dann griff Kioku Alaynas Arme und versuchte, sie von sich herunterzustoßen.
„Lass mich verdammt noch einmal in Ruhe!“, brüllte sie mit einer Lautstärke, die Alayna in den Ohren schmerzte.
„Du darfst nicht gehen! Du darfst mich nicht allein lassen!“, forderte Alayna, der nun wieder Tränen aus den Augen quollen. Jedoch wusste sie diesmal nicht, ob sie vor Schmerz oder wegen ihrer Traurigkeit weinte.
Dann schaffte es Kioku, Alayna für einen Moment in die Luft zu heben und verpasste ihr einen kräftigen Schlag in die Magengegend, durch den sich Alayna vor Schmerz krümmend auf den Boden abrollen musste. Kioku versuchte aufzustehen und zu fliehen, jedoch hielt Alayna einen ihrer Füße fest und zog kräftig daran. Beide schrien vor Wut, als Alayna zog und Kioku zu Boden fiel.

Als alles wie in Zeitlupe abzulaufen schien, das Schreien der beiden zu einem dumpfen, entfernten Geräusch wurde, realisierte Alayna, dass das einer dieser Momente war, in dem man spürte, was passieren würde, bevor es geschah.
So passierte es, dass Kioku, die versuchte, mit ihrem anderen Fuß noch Halt zu finden, auf dem Boden ausrutschte und zu Boden fiel. Ihr Kopf stieß dabei auf eine der massiveren, größeren Mülltonnen, welche starken Widerstand zu leisten schien. Alayna sah zu, wie Kiokus Körper bewusstlos auf dem Boden aufschlug, durch die Erschütterung noch einmal kurz in die Luft abhob und dann auf dem harten Untergrund zur Ruhe kam.
„Kioku!“, schrie Alayna, diesmal mit einer viel höheren Stimme. „Nein, nein, nein! Das wollte ich nicht! Kioku!“
Sie robbte über den Boden und überprüfte, wo Kioku verletzt war. Ihre Brust hob und senkte sich zwar, aber Kioku reagierte nicht auf Alayna.
Sie kniete sich neben ihren Kopf und legte diesen auf ihren Schoß.
„Kioku, wach auf, bitte!“, flehte Alayna, deren Tränen auf Kiokus Gesicht tropften, während sie versuchte, sie zu wecken. Alayna realisierte, dass sie im Prinzip gerade das getan hatte, was Takeru passiert war: Kioku zu verletzen. Das Gegenteil von dem war eingetroffen, was sie eigentlich wollte.
Irgendwie schien nichts mehr, was um sie herum passierte, echt zu sein. Der Versuch, sie zu wecken, war erfolglos. Alleine sah sie sich nicht im Stande, Kioku zu helfen. Deswegen stand Alayna auf, griff Kioku unter ihren Armen und zog sie mit sich. Es war unfassbar anstrengend, Kioku zu ziehen, deswegen musste sie immer wieder Pause machen, bis sie aus dieser Gasse herauskam und auf die Straße kam. Es war niemand unterwegs, der ihr helfen konnte, also schleifte sie Kioku die Straße herunter.
„Ich krieg dich wieder hin“, versprach Alayna, machte wieder eine Verschnaufpause und rief nach Hilfe. Aber es schien niemand in der Stadt unterwegs zu sein. Am Ende der Straße entdeckte sie einen kleinen Park, in dem Leute zu sein schienen. Also konzentrierte sie all ihre Energie und packte Kioku wieder an, die immer schwerer zu werden schien. Alaynas Muskeln zitterten und sie musste sich richtig in den Boden stemmen, um ordentlichen Halt zu erlangen. Immer wieder rutschte Kioku aus ihrem Griff, Alayna konnte sie jedoch immer wieder noch rechtzeitig auffangen. Es geschah, dass Alayna mehr schrie und weniger tragen konnte. Ihre ganze Kraft entwich aus ihrem Körper. Sie rutschte aus und fiel zu Boden und landete dabei auf ihrem Steißbein. Der stechende Schmerz fuhr ihr durch den ganzen Körper und sie musste sich der Schwerkraft für einen Moment hingeben und sich kurz hinlegen. Ihr Brustkorb bewegte sich unrhythmisch, als sie nach Luft rang. Nur kurz wollte sie dort liegen bleiben, um neue Kraft zu sammeln. Es war unverständlich, wie genau jetzt kein Mensch unterwegs war und ihr helfen konnte. Mussten nicht die Leute, die aus dem Fenster blickten, sehen, dass sie in Not war? Konnten die Bewohner der Stadt das nicht sehen oder wollten sie es schlichtweg nicht?
Dann hörte sie Schritte. Hoffnungsvoll richtete sie sich auf und in dem Augenblick, als sie erkannte, wer auf sie zukam, schossen ihr wieder die Tränen aus den Augen. Es waren Anon, Eimi und ihr Bruder, die mit sorgenvollen Gesichtern auf sie zuliefen.
Anon schien sofort zu verstehen, was geschehen sein musste und kümmerte sich mit Takeru um Kioku, half ihr hoch, spritzte ihr etwas Wasser ins Gesicht.
Eimi hingegen half Alayna hoch, die voller Dreck und tränenüberströmt in seine Umarmung fiel, die er ihr anbot. Sie drückte sich so fest an ihn, wie sie nur konnte, nahm dabei seinen Duft wahr und ignorierte den Schmerz, der nur langsam nachließ.
„Geht es dir gut? Was ist passiert?“, fragte Eimi mit seiner beruhigenden Stimme. Alayna schüttelte ihren Kopf langsam und bemerkte, dass sie mit ihren Tränen Eimis Pullover feucht machte.
„Sie hat eine Beule“, bemerkte Anon und wartete auf Alaynas Erklärung.
„Sie ist gestürzt und hat sich gestoßen“, sagte Alayna nur halb verständlich in Eimis Schulter.
Es war Takeru, der als erster bemerkte, dass Kioku sich wieder bewegte. „Kioku!“, rief er erfreut und stützte sie mit Anon, als sie langsam wieder zu sich kam.
„Was ist passiert?“, murmelte Kioku, die sich die Stelle an ihrem Kopf rieb, an der sie sich gestoßen hatte.
„Kioku!“, bemerkte Alayna, als sie die vertraute Stimme Kiokus wieder hörte, die ganz anders sprach, als Aoko. Dann löste sie sich von Eimis Arm und stürzte auf Kioku, um sie zu umarmen. „Es tut mir so leid!“
Kioku wusste gar nicht, was sie mit dieser Entschuldigung anzufangen hatte und ließ sich auf die Umarmung ein. „Vorsicht, mein Kopf tut so weh.“
„Wir müssen dich erst einmal verarzten“, sprach Anon, der froh zu sein schien, dass Kioku wieder sie selbst war. „Dann solltest du dich noch etwas ausruhen, bevor wir zum Bahnhof gehen. Währenddessen kannst du mir alles erzählen, was passiert ist, Alayna.“
Sie nickte. Dann sah sie zu, wie Takeru beiden etwas zu trinken anbot und Eimi die Taschen von ihr und Kioku nahm. Als sie sich vorsichtig aufrichteten, gingen die Freunde in eine nahegelegene Gaststätte, um einerseits Kioku zu versorgen und andererseits etwas zu essen. Es dauerte danach nicht mehr lange, bis sie den Zug am Bahnhof erreichten.


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